6. Februar 2012

"Ist das bitter? Sagen Sie's mir."

T.C. Boyles neuer Roman "Wenn das Schlachten vorbei ist" vereint nicht weniger als vier Schiffbrüche, elf Tote, atemlose Spannung und die Frage, welches Leben überleben darf, im erbitterten, radikalen Feldzug zweier Umweltschützer. Wir haben mit dem vielbeschäftigten Autor zwischen München und Santa Barbara ein Gespräch geführt – über die Guten und die Bösen, die Zeit des Spaßes und die Zeit der Abrechnung und natürlich über seinen Seelenfreund Jan Josef Liefers, der für den Hörverlag das Hörbuch eingelesen hat.



Mr. Boyle, als Sie ein Kind waren, wer wollten Sie beim Spielen lieber sein: der Gute  oder der Böse?
Also, das kommt ganz darauf an, welches Alter man mit "Kind" meint. Als kleiner Junge habe ich mich sicherlich zu den Guten hingezogen gefühlt; als unzufriedener Teenager mag es mich ein klein wenig in die andere Richtung getrieben haben.

Kann man bei Ihrem neuen Roman “Wenn das Schlachten vorbei ist” überhaupt von DEN Guten oder DEN Bösen sprechen? Und wie kann sich der Leser/der Hörer zwischen diesen beiden Fronten entscheiden?
Ich nehme an, es gibt das reine Böse auf dieser Welt, und es gibt Autoren, die es erkennen (denken Sie an das Universum Flannery O'Connors). Aber was mich betrifft, so finde ich es weniger interessant, in solchen Polaritäten wie gut/böse, schwarz/weiß zu denken, als vielmehr meine Figuren mit derart unklaren Moralvorstellungen auszustatten, wie sie vielen von uns gewöhnlichen Menschen eben zueigen sind. Sind die Guten wirklich so gut? Und umgekehrt: Sind die Bösen wirklich so böse? Weit besser für den Leser und Hörer von “Wenn das Schlachten vorbei ist“  ist, für sich selbst zu entscheiden.

Braucht es manchmal Radikalität, um Ziele zu erreichen?
Ich habe mich vorher mit der Vorstellung beschäftigt, außerhalb des Gesetzes zu stehen, um Fragen zu Verbrechen gegen die Natur zu behandeln – nicht nur in "Wenn das Schlachten vorbei ist", auch in früheren Erzählungen wie "Fleischeslust" und Romanen wie "América" und "Ein Freund der Erde". Die Radikalen kommen vielleicht nicht so gut dabei weg, die Firmen oder Einzelpersonen, die für den Angriff auf unsere Umwelt verantwortlich sind, aber genauso wenig. Die größere Frage in "Wenn das Schlachten vorbei ist", heißt: Was gibt unserer Spezies das Recht, alle anderen zu dominieren?

Manche sagen, "Wenn das Schlachten vorbei ist" sei Ihr bisher bitterstes, wütendstes Werk und dass es Ihnen noch nie so ernst gewesen sei. Würden Sie dem zustimmen?
Ich freue mich sehr, das zu hören, aber in meinen Augen ist der Roman nicht bitterer als irgendetwas anderes, das ich geschrieben habe. Vielleicht möchten die Leute, dass ich ihnen erzähle, dass alles gut ist und wir alle glücklich leben werden bis ans Ende unserer Tage, jeder letzte Mann, jede letzte Frau, Ratte, Zecke, jeder Floh unter uns. Aber die Tatsachen unserer Sterblichkeit und des Schadens, den wir der Umwelt, die uns versorgt, zugefügt haben, sind unbestreitbar. Die Zeit der Abrechnung naht. Sind das gute Neuigkeiten? Ist das bitter? Sagen Sie's mir.

Jan Josef Liefers liest T. C. Boyle: Das jedenfalls ist immer eine gute Neuigkeit, ob im Hörbuch oder auch live auf Lesetour. Was verbindet Sie beide?
Jan Josef und ich hatten eine mordsgute Zeit. Ich wünschte, wir hätten mit dieser Show weitermachen können: durch die deutschsprachigen Länder und hoch nach Lappland, hinüber nach Island, dann auf die Bahamas runter und den Amazonas rauf. Es war die reinste Freude. Wir denken ähnlich. Wir lachen ähnlich. Wir mögen Bier. Wir mögen Frauen (ähem: unsere Ehefrauen, meine ich). Wir mögen Rock and Roll. Was gibt es sonst noch?

Und Sie mögen seine deutschen Lesungen?
Es ist für mich ein großes Vergnügen, auf unserer Deutschlandtournee dem englischen Text zu folgen, während Jan Josef aus dem deutschen Text vorliest – so dass ich nicht nur eine Deutschstunde bekomme, sondern die gesamte Performance. Es ist wundervoll. Ich kann jeder Nuance und jedem Tonfall folgen und dabei ins Publikum schauen und fühlen, wie sie sich alle auf den Text einlassen. Also kurz: ja. Und zwar gewaltig!

Interview: Teresa Grenzmann/Der Hörverlag

6. September 2011

Der Ohrwurm zum Lindwurm

Andreas Fröhlich (Foto: T. Grenzmann)       
Auf nach Zamonien! Einmal mehr beweist Andreas Fröhlich, dass er die kongeniale Stimme des "kongenialen Übersetzers" Walter Moers ist.
"Ein guter Text ist wie ein gutes Pferd", sagt Andreas Fröhlich – und reitet vergnügt durch "Das Labyrinth der Träumenden Bücher". Seit seiner Rolle als Bob Andrews in "Die drei ???" ist er einer der bekanntesten Synchron- und Hörbuch-Sprecher.


Herr Fröhlich, wie wird man 12 Tage lang Morgen für Morgen zum zamonischen Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz?

Die Zähne dürfen nicht geputzt werden und man muss mit Rotwein gurgeln. (Er lacht.) Nee, da mach‘ ich gar nichts. Es treffen natürlich die ganzen obskuren und absurden Figuren aus dem Moersschen Kosmos aufeinander. Deswegen mussten einige sehr skurrile und extreme Stimmen haben. Das wird sehr spannend, aber es ist auch verdammt anstrengend.

 
Wie viele Stimmen sind es?
20 ungefähr. Aber ich mach‘ das nur mit unterschiedlichen Stimmlagen: Die Körperhaltung verändert sich ein wenig, um die Figuren zu unterscheiden. Das ist die ganze Kunst. Je älter eine Stimme ist, desto mehr sacke ich vor dem Mikrofon zusammen und richte mich dann ein wenig auf, wenn es eine etwas hellere, eine Haifischmade ist zum Beispiel. Die Stimmen fallen mir am Abend vorher beim ersten Lesen ein. Ich mache mir Notizen und dann probe ich im Kopf.

Haben Sie eine Lieblingsstimme?

Hildegunst von Mythenmetz finde ich großartig! Ich würde mit ihm sogar Urlaub machen.

Hildegunst schreibt, das "Labyrinth" sei das "allergrößte Abenteuer" seines Lebens. Sie kennen ihn besser: Was meinen Sie
Ich hab‘ mit Hildegunst gesprochen: Ich darf nicht so wahnsinnig viel verraten ...
Es gibt Haifischmaden und Mooslinge und Lindwürmer und Schrecksen und irgendwelche Gnömchen, Buchlinge, ... Tausende Figuren, die aufeinanderprallen. Das Ganze ist noch mal eine Steigerung zum ersten Teil – und ich habe den Eindruck, es wird auch noch nicht zu Ende sein.

  Im Studio (Foto: T. Grenzmann)
Wie schafft es Walter Moers, Jung wie Alt gleichermaßen zu fesseln?
Ich bin ein großer Fan von Walter Moers. Ich glaube, er ist völlig verrückt – und das ist das Interessante. Man fängt an zu lesen und weiß, es wird einen unglaublich viel erwarten, aber man hat keine Ahnung, was. Keiner kann das so wie Walter Moers!

Empfinden Sie diesen Sog auch manchmal im Studio?
Ich bin ein sehr leidenschaftlicher Leser. Ich sag' immer: Ich muss den Text reiten – und ein richtig guter Text lässt sich auch sehr gut reiten wie ein gutes Pferd. Es gelingt mir natürlich nicht immer, im Sattel zu bleiben, aber wenn ich wirklich drin bin, merke ich gar nicht, dass ich lese. Da bin ich wie ein Medium, was die Buchstaben inhaliert und wieder ausspuckt – eine Sprachmade sozusagen.

Andreas Fröhlich (Foto: T. Grenzmann)
Hören Sie auch im Alltag genauer hin?
Ich bin ein Mensch des Ohres. Für mich spielt Stimme eine ganz große Rolle. Wenn jemand anfängt, auf mich einzureden, interessiert mich erst mal der Klang der Stimme, was steckt dahinter. Ich gucke auf den Mund und nicht in die Augen – wahrscheinlich bin ich da als Kind als Synchronsprecher ein bisschen versaut worden.



Klingt, als könne Ihr Beruf nie zur Routine werden ...
Nee! Es ist ja auch wirklich toll, eine richtige Auseinandersetzung mit dem Buch: Dieses Laut-Lesen und Darstellen, da entdeckt man natürlich alle möglichen Feinheiten, die in dem Text schlummern. Man macht das Ganze dreidimensional: 3D-Lesung (er lacht) – auch nicht schlecht.

Interview: Teresa Grenzmann/Der Hörverlag

10. August 2011

Axel Milberg liest den Thriller "Der Federmann" von Max Bentow


© Marion v. d. Mehden
Hart und doch subtil - eindringlich und psychologisch auf den Punkt entführt der Berliner Autor Max Bentow in die Seele des zwiespältigen Kommissars Nils Trojan. Meisterhaft gelesen von Axel Milberg, der bereits als "Wallander" sämtlichen Henning-Mankell-Romanen eine Hörbuch-Stimme gegeben hat.


Mit Max Bentow im Gespräch

Mit Ihrem Psychothriller „Der Federmann“ treten Sie zum ersten Mal als Kriminalschriftsteller in Erscheinung. Vor diesem Thrillerdebüt hatten Sie bereits zahlreiche Bühnenstücke verfasst, für die Sie mit renommierten Preisen geehrt wurden. Was war der Anstoß für Ihren Wechsel hin zur Kriminal- und Spannungsliteratur? Hätte es Sie nicht auch gereizt, stattdessen Drehbücher zu schreiben?

Ich hatte schon immer ein Faible für die Kriminalliteratur und dachte bereits seit längerer Zeit über eine eigene Ermittlerfigur nach, malte mir ihre Vorlieben, Ängste und verborgenen Wunden aus. So verdichtete sich allmählich die Figur von Hauptkommissar Nils Trojan in meinem Kopf, bis es mich schließlich drängte, ihn seinen ersten Fall lösen zu lassen.

Das Drehbuchschreiben hat mich insofern nicht gereizt, da hier der kreative Prozess doch oftmals von einer Produktionsfirma beeinflusst wird. Als Romanschriftsteller ist man viel freier.


In „Der Federmann“ wird der Berliner Kommissar Nils Trojan an den Schauplatz eines grausamen Mordes gerufen. Können Sie uns – ohne hier schon zu viel zu verraten – etwas über die Verbrechensserie erzählen, die bald eine ganze Stadt in Atem halten wird?

Es dreht sich um eine Reihe von schrecklichen Frauenmorden. Den Opfern wurden nicht nur die Augen ausgestochen, sondern es fehlen ihnen auch die Kopfhaare. Und es werden tote Vögel an den Tatorten gefunden, sie scheinen im Phantasma des Mörders eine wesentliche Rolle zu spielen.

Was hat Sie zu dieser Handlung inspiriert?

Ich bin von meinen eigenen Ängsten ausgegangen. Schon als Kind habe ich mich schrecklich davor gefürchtet, mit meinen Eltern durch das Vogelhaus im Berliner Zoo zu gehen. Das Flügelgeflatter in geschlossenen Räumen löst bei mir panikartige Zustände aus. In Gesprächen mit Freunden und Bekannten habe ich herausgefunden, dass ganz viele Menschen unter dieser Phobie leiden.

© Doris Poklekowski

Der Täter richtet die Opfer bestialisch zu - in einem Mordakt mit gewaltiger Symbolkraft. Vom Schauplatz der Tat zeichnen Sie ein detailliertes Bild und setzen die Leser dem Anblick schonungslos aus. Zeigt sich in dieser Aufforderung zum Hinsehen, im Kommunizieren über Bilder mit starker symbolischer Wirkung ein Einfluss Ihrer Arbeit als Dramatiker?

Für mich sind das eher filmische Anleihen. Ich habe mich beim Schreiben immer gefragt, wie der Schauplatz wohl auf einer großen Kinoleinwand aussehen würde. Dieses Kopfkino beim Leser zu evozieren, war mein Anliegen.

Der Mörder lässt bei seinen Opfern stets Vögel zurück – Dompfaffen, wie sich herausstellt. Was symbolisieren die Vögel, und warum haben Sie sich gerade für den Dompfaff entschieden?

Da ist zum einen die Vorstellung, beim Sterben würde die Seele wie ein Vogel aus dem Leib des Menschen entweichen. Er steht aber auch für die Unfähigkeit des Menschen zu fliegen. Und er symbolisiert für mich etwas zutiefst Verstörendes, wenn er sich nicht am Himmel, sondern in einem geschlossenen Raum bewegt, somit steht er auch für eine Art des Gefangenseins.

Die Entscheidung für den Dompfaff traf ich, da er die Farbe Rot im Gefieder hat und sogar in einer Großstadt wie Berlin angesiedelt ist, wenn auch nicht gerade häufig, was ihm wiederum einen gewissen Seltenheitswert verschafft.

Mit Nils Trojan führen Sie eine vielschichtige Persönlichkeit als Ermittler ein. Er steckt in einer schwierigen privaten Situation und kämpft mit psychischen Problemen. Damit zählt Nils Trojan zu einer Reihe von Ermittlerfiguren in der gegenwärtigen Kriminalliteratur, die gleichzeitig mit einer tiefen persönlichen Krise eine berufliche Herausforderung meistern müssen. Worin liegt der Reiz dieser Zuspitzung, und wie beeinflusst diese Krise Trojans Arbeit bei der Mordkommission?

Den Helden, der sich mit einer persönlichen Krise herumplagen muss, den leicht angeschlagenen Helden, der sich seine Schwächen eingesteht, vor eine beinahe unlösbare Aufgabe zu stellen, macht den großen Reiz beim Schreiben aus.

Als ich begann, die Figur von Nils Trojan zu entwickeln, tauchte ein Wort in meinen Notizen immer wieder auf, das Wort „Angst“, und so kristallisierte sich allmählich für mich eine entscheidende Frage heraus: Wie geht ein Mensch, der bestialische Morde aufklären muss, der stets bewaffnet ist und jederzeit mit dem Schlimmsten rechnen muss, wie geht jemand, der selbst in den Fokus des Mörders gerät, mit seiner eigenen Angst um? Was passiert, wenn sich diese Angst nicht mehr erfolgreich verdrängen lässt und sich eigene Kanäle sucht?

Und so kam ich darauf, dass Nils Trojan mit Panikattacken zu kämpfen hat. Sie werden so stark, dass er beschließt, eine Psychologin aufzusuchen, heimlich, außerhalb der Dienststelle, denn er weiß, dass in seinem Kommissariat das Wort „Angst“ tabu ist.

So lernt Nils Trojan die Psychologin Jana Michels kennen. Mit ihrer Hilfe und durch das Wissen um die Zerbrechlichkeit seiner Seele wird er höchst sensibilisiert und kann sich auf diesem Wege sogar, wenn auch anfangs widerstrebend, in die kranke Psyche des Mörders hineinversetzen und bekommt so ein Gespür für dessen Motive.

Durch Ihren Roman zieht sich wie ein roter Faden die Beschäftigung mit der menschlichen Psyche, mit psychischen Störungen, ihrer Entstehung und ihrer Behandlung: Kommissar Nils Trojan sucht regelmäßig eine psychologische Praxis auf, die Frau von Trojans Vorgesetztem leidet unter gravierenden Krankheitssymptomen, der Hauptverdächtige in der Mordserie scheint depressiv zu sein. Was sagt es über die Gesellschaft in Ihrem Roman aus, wenn ein Großteil der Personen offen oder versteckt behandlungsbedürftig ist?

Wir leben in einer hektischen, gewalttätigen Welt. Mir lag auch daran aufzuzeigen, dass nicht jeder über die Kraft verfügt, diese Einflüsse ohne seelische Beschädigung zu überstehen.

Außerdem bin ich der Meinung, dass es in einem Kriminalroman nicht nur um die Aufklärung eines Verbrechens gehen sollte. Vielmehr ist es doch auch Aufgabe des Autors nachzuspüren, wo die Ursachen für all die schrecklichen Verbrechen liegen, über die wir Tag für Tag in der Zeitung lesen müssen.

Natürlich wäre es viel zu einfach zu sagen, eine kranke Gesellschaft bringt auch beschädigte Menschen hervor. Aber ich möchte schon gewisse Zusammenhänge herstellen und verborgene Schichten freilegen in den Biografien meiner Romanfiguren.

Unter den Opfern findet sich eines mit besonders tragischem Schicksal: Lene. Sie wird zu einer Schlüsselfigur für das Begreifen des Täters. Können Sie uns etwas mehr über ihre besondere Rolle erzählen?

Lene ist ein zehnjähriges Mädchen, sie muss Schreckliches mit ansehen und macht Furchtbares durch. Mit ihr nahm ich bewusst die Perspektive eines Kindes ein, um mich in die Zeit zu vertiefen, da die Persönlichkeit geprägt wird. Es ist oftmals leider auch die Zeit seelischer Deformierung. Hier können die Wurzeln künftigen Unheils liegen. Und so spannte ich den Bogen bis hin zum Täter, der selbst aus äußerst zerrütteten Verhältnissen stammt.

Beim Schreiben wollte ich Lene oft an die Hand nehmen und sie vor all dem Leid beschützen. So gab ich gewissermaßen meine eigenen Instinkte an Nils Trojan weiter. Er ist selbst Vater einer Tochter, die er über alles liebt, aber auch sehr vermisst, da sie seit seiner Trennung von ihrer Mutter nicht mehr bei ihm lebt.

Er setzt alles daran, um Lene zu retten, er spürt, dass sie mutterseelenallein ist auf dieser Welt, und würde ihr gern beiseite stehen.

Sie spielen mit Perspektivwechseln und locken die Leser geschickt auf falsche Fährten. Trotz aller Verdachtsmomente gelingt es Ihnen, erst ganz am Ende überraschend zu enthüllen, wer der Täter ist. Stand der Plot für Sie von Anfang an fest, oder gab es beim Schreiben spontane Entwicklungen, die der Auflösung des Falls eine andere Richtung gaben?

Ich habe mich sehr lange mit der Struktur des Romans beschäftigt, und auch die Auflösung habe ich mit Ausnahme weniger Einzelheiten schon vor dem eigentlichen Schreibbeginn genau festgelegt. Das Prinzip einer hohen Spannungsdramaturgie war mir überaus wichtig.

Der Psychothriller ist in Berlin angesiedelt, die Ereignisse tragen sich überwiegend in Kreuzberg, Treptow und Neukölln zu. Was bedeutet Ihnen Berlin – persönlich und als Schauplatz für Ihren Roman?

Berlin ist meine Heimat, hier wurde ich geboren, hier bin ich aufgewachsen, hierher bin ich immer wieder zurückgekehrt. Den Puls und den Atem dieser Stadt wollte ich meinem Roman mitgeben. Besonders am Herzen liegt mir das sogenannte Kreuzkölln, wo ich selbst wohne, die Grenze zwischen Neukölln und Kreuzberg. Hier leben Menschen verschiedener Nationen, die völlig unterschiedlich sozialisiert sind, auf engem Raum nebeneinander. Eine aufregende Mischung, aber auch ein sozialer Brennpunkt, wie geschaffen für meinen Roman.

Mit Kommissar Nils Trojan und der Psychologin Jana Michels haben Sie zwei Charaktere auf den Plan gerufen, die sich bei Ermittlungen kongenial ergänzen würden. Haben Sie schon daran gedacht, einen weiteren Thriller zu schreiben und die Geschichte der beiden fortzusetzen?

Unbedingt! Ich bin bereits dabei, den nächsten Thriller mit Nils Trojan und Jana Michels als Hauptfiguren zu entwerfen.

Das Interview führte Elke Kreil für den Page & Turner Verlag

15. Juli 2011

Patrick Ness oder: Die Kraft des Erzählens

Auf der Grundlage von Ideen und Skizzen der früh an Krebs verstorbenen vielfach ausgezeichneten Schriftstellerin Siobhan Dowd entwickelte der renommierte britische Autor Patrick Ness einen bewegenden Text vom Lieben und Abschiednehmen. „Ich spürte ganz deutlich, dass dies eine Geschichte war, die nur darauf wartete, erzählt zu werden -- und das ist für jeden Schriftsteller ein Geschenk", so Ness über "Sieben Minuten nach Mitternacht".



Was passiert im Roman?

Conor, der 13-jährige Protagonist, muss lernen, sich seinen schlimmsten Ängsten zu stellen und seine unheilbar kranke Mutter schließlich loszulassen. Der Roman erzählt von universellen Gefühlen wie Liebe, Schuld, Trauer, Wut und Hoffnung und berührt Leser und Hörer jeden Alters.

Die Hörbuchfassung wurde von Maria Furtwängler gelesen. „Patrick Ness beschreibt, wie es wirklich ist: wie es sich wirklich anfühlt, 13 Jahre alt und gewissermaßen allein zu sein. Dabei kommt er seinen Figuren sehr nah. Man wird berührt, als säße man neben ihnen – es verschlägt einem den Atem.“, so die Schauspielerin über den Roman und seinen Autor.
Maria Furtwängler war es auch, die den Autor zur DLD Women 2011 nach München einlud. Gemeinsam mit Schriftstellerin und Regisseurin Shamim Sarif ging es auf dem Podium um das Thema, das beide, Ness und Sarif, verbindet: Die Kraft des (Geschichten-)Erzählens.



Anlässlich seines Besuchs in München besuchte Patrick Ness auch die Schwabinger Buchhandlung Lehmkuhl, um "Sieben Minuten nach Mitternacht" vorzustellen und Fragen zu beantworten.



Patrick Ness / Siobhan Dowd, "Sieben Minuten nach Mitternacht" erscheint als Buch und Hörbuch (gelesen von Maria Furtwängler) im August 2011.

1. Juli 2011

Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik für Marcel Proust "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"

Die vollständige Lesung von Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" erhält den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik. Der Preis der Deutschen Schallplattenkritik e.V. ist ein unabhängiger Zusammenschluss aus bis zu 145 namhaften Musikkritikern, Journalisten und Musikexperten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Aufgabe des Preises ist es, die Öffentlichkeit auf herausragende Aufnahmen des Tonträger- und Bildtonträgerangebots aufmerksam zu machen.

Die Jury würdigt das über einen Zeitraum von acht Jahren entstandene akustische Großprojekt als „eine Leistung ersten Ranges“ und zeigt sich insbesondere von Interpret Peter Matić begeistert: „Dass aus der ars scripta ein Objekt souverän gestalteter ars acustica werden konnte, verdankt sich vor allem dem stilsicheren sprachlichen Vermögen des Wiener Burgschauspielers Peter Matić, der Prousts strengem Satzbau, seiner rhythmischen Vielfalt und Melodie bravourös Stimme und Klang verleiht: elegant, märchenhaft, humorvoll, elegisch, voller Zwischentöne.“

Die 9.379 Minuten-Lesung wurde u.a. bereits als „Hörbuch des Jahres 2010“ ausgezeichnet und für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert.

23. Juni 2011

J. K. Rowling kündigt "Pottermore" an.

Homepage von www.pottermore.com
Harry Potter geht weiter und zwar interaktiv: Auf der offiziellen Internetplattform www.pottermore.com wird es ab Oktober eine Heimat für Fanfiction zur beliebten Buch- und Hörbuchserie geben. J. K.Rowling selbst will sich zudem mit bislang unbekannt gebliebenen Details des Harry-Potter-Abenteuers einbringen. Klingt ein wenig wie ein interaktiver Directors Cut... Wir freuen uns aber besonders darüber, dass das Portal sich nun offenbar auch dem Download der Hörbücher und E-Books öffnet. Dies ist aus unserer Sicht mehr als überfällig.